Mobilfunkstrahlung - rasante Entwicklung mit noch nicht absehbaren Folgen

Die ersten Anfänge von Mobilfunk waren in den 60-iger und 70-iger Jahren mit riesigen Sendestationen im Kofferraum von Autos. Es gab als erstes das A-Netz mit sehr begrenzter Reichweite. Später das B-Netz mit einer Reichweite, die ca. die Hälfte der Bundesrepublik erfasste. Die Versorgung war entsprechend problematisch. Diese Geräte kosteten damals bis zu 20.000 DM und aufgrund ihrer Größe und des Preises auch nur für wenige erschwinglich.

Anfang der 80-iger Jahre kam das C-Netz, das auf jeden Fall flächendeckend in der Bundesrepublik angeboten wurde. Mit dem C-Netz wurden die Sendegeräte schon wesentlich kleiner und leichter, waren aber immer noch nur für den stationären Einbau im Fahrzeug gedacht. Diese Geräte kosteten bis zu 10.000 DM. Ende der 80iger Jahre wurden die ersten transportablen Geräte angeboten, die aber immer noch einige Kilo Gewicht hatten. Vom Mobilfunk im heutigen Sinne war man damit noch weit entfernt.

Diese Sendetechnik war rein analog und damit – wie wir heute wissen – gesundheitlich noch eher verträglich.

Das C-Netz war bis zum Jahre 2000 in Betrieb und hatte zum Schluss ca. 780.000 Teilnehmer. Anfang der 90-iger Jahre kamen dann mit der neuen digitalen Sendetechnik die ersten wirklichen Handys auf den Markt. Auch wenn diese Geräte noch relativ groß waren und oft mit langen Teleskop-Antennen arbeiteten, eigneten sie sich durchaus schon als mobiles Telefongerät. Mit der Digitalisierung ergab sich eine vollkommen neue Strahlungsqualität, die – wie wir heute wissen und damals bereits ahnten – gesundheitlich doch sehr bedenklich ist. Mittlerweile spricht die EU ganz offiziell von einer Zunahme der Gehirntumore von ca. 43 %, die auf Handys zurückzuführen ist.

Der erste Handyanbieter war die Telekom mit dem D-Netz, schnell folgten dann noch weitere Anbieter und ein neues E-Netz, so dass sich die Gesamtsumme der Strahlenbelastung in relativ kurzer Zeit stark erhöhte.

Die Grenzwerte, die uns schützen sollen, waren auf rein thermischer Basis erstellt worden und sind als Gesundheitsschutz absolut unzureichend. Forderungen nach einer drastischen Senkung der Grenzwerte aufgrund vieler Studien und Erfahrungsberichte werden bis heute von der Politik und der Industrie in Deutschland ignoriert. Andere Länder sind hier schon weiter.

Seit 1995 wurden auch die ersten Schnurlostelefone mit digitaler Sendetechnik – DECT-Telefone – angeboten. Diese Telefone haben sich  als kleine Mobilfunksender in vielen Häusern, Wohnungen und Büros in kurzer Zeit  stark ausgebreitet. Diese Stationen senden zwar mit geringer Leistung, sind aber wegen der Nähe zu den Menschen oft strahlungswirksamer als ein Mobilfunksender in 100 Meter Entfernung. Alle Appelle von Umweltmedizinern und Baubiologen, diese Telefone zu verbieten, wurden von der Industrie und der Politik ignoriert. Es wäre technisch auch schon damals möglich gewesen, Geräte anzubieten, die nur senden, wenn telefoniert wird. Jetzt gibt es diese Geräte, und die Industrie macht damit ein doppeltes Geschäft.

Ab dem Jahre 2000 wurde zusätzlich UMTS eingeführt, das sind Handys, mit denen man auch im Internet surfen kann. Es kam damit eine weitere Frequenz hinzu, die das Belastungsspektrum nochmals drastisch erhöhte.

Seit ca. 2005 wird auch W-LAN angeboten. Das ist die kabellose Funk-Verbindung ins Internet, die mittlerweile in vielen Haushalten und Büros weit verbreitet ist.

Wenn man sich nun die Entwicklung der letzten 20 Jahre ansieht, ist die Anzahl der Sendestationen extrem gestiegen. Gab es Anfang der 90iger Jahre nur wenige Mobilfunksender, so sind es heute weit über 150.000 mit steigender Tendenz. Als Sendestation gilt natürlich auch jedes Handy. Mittlerweile haben wir über 110 Millionen Handynutzer in der Bundesrepublik. Wenn auch das Handy mit geringer Leistung arbeitet, so entstehen durch den Kontakt zum Kopf dort extrem hohe Strahlungswerte, die weit über die allgemein üblichen Belastungen durch Mobilfunksender hinausgehen.

Das Handy ist letztendlich das gefährlichste Strahlungsgerät, mit dem viele Menschen täglich viele Stunden telefonieren. Was wenige wissen sind Empfehlungen des Amtes für Strahlenschutz, der Ärztekammer in Wien und mittlerweile auch der EU, dass Jugendliche und Kinder unter 16 Jahren möglichst keine Handys benutzen sollten. Die Situation sieht leider ganz anders aus. Man kann nur hoffen, dass die zu erwartenden Gesundheitsschädigungen geringer als befürchtet ausfallen.

Zu warnen ist vor den vielen angebotenen Entstör-Geräten für Handys, die als kleine Aufkleber vor Mobilfunkstrahlung schützen soll. Nachweislich haben diese Aufkleber keinerlei Auswirkung auf die Strahlungswerte. Diese bleiben unverändert hoch. Sie sollen – auf welchem Wege auch immer – die Handystrahlung so verändern, dass man unbedenklich Handy telefonieren kann. Eine äußerst fragwürdige, wenn nicht sogar gesundheitsgefährdende Empfehlung. Werden doch die Nutzer im Glauben gelassen, dass sie ab sofort bedenkenlos Handy telefonieren können, was die Handynutzung vielleicht sogar noch verstärkt.

Selbstverständlich gibt es keine Möglichkeiten mehr, Handys zu verbieten und abzuschaffen, sondern wir werden damit weiterhin leben müssen. Ärgerlich ist nur, dass es auf der technischen Seite sehr viele Möglichkeiten gäbe, die Strahlungswerte insgesamt drastisch zu reduzieren. Nachdem diese Maßnahmen aber einen höheren technischen Aufwand bedeuten und somit Geld kosten, werden sie einfach ignoriert.

Jeder kann aber für sich entscheiden, in wie weit er die eigene Funkbelastung durch Schnurlostelefone, W-LAN und Handys reduziert oder ganz vermeidet.

Die meisten Funkbelastungen in den Wohnungen sind „hausgemacht“, sehr häufig auch von den Nachbarn. In den eigenen vier Wänden kann man selber entscheiden welche Belastung man in Kauf nimmt, gegenüber der Funkstrahlung von den Nachbarn kann man sich mit den entsprechenden Maßnahmen aber durchaus schützen.

Gegen die Funkbelastung durch Mobilfunksender gibt es ebenfalls wirksame Abschirmmethoden. Sie haben nur einen Schönheitsfehler: Man muss sie selbst bezahlen!

Die Funkbelastung sollte in jedem Fall mit geeigneten Messgeräten von Fachleuten gemessen werden, die sich damit auskennen und in der Lage sind, Ihnen die richtigen Maßnahmen zu empfehlen.